Tagebuch & Notizen

Pascale A.



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Eintrag 1155

Warum ich nicht weiss, welche Partei ich bei der kommenden Bundestagswahl wähle...

In wenigen Monaten ist Bundestagswahl und ich bin, was die Wahl der Partei betrifft, versunsichert. Sowas wäre vor 2 Jahren noch undenkbar gewesen, denn ich war ein längjähriges Mitglied einer politischen Partei bzw. Bewegung. 

Was ist mit mir passiert?

Seit meiner frühen Jugend habe ich mich stark gemacht für die Arbeiter, Angestellten und Armen. Ich wetterte gegen die Banken und Großindustrie, mein Ziel war die Beseitigung der Armut sowie die Begrenzung/Überwindung des Reichtums. Meine politische Richtung war klar definiert, eine Abweichung undenkbar.

Nach diversen Streitigkeiten innerhalb meiner damaligen Partei bin ich im Jahr 2014 ausgetreten. Für mich war es unfassbar, dass diejenigen, die für Solidarität und den Weltfrieden eintreten, untereinander das Gegenteil vorleben. Wenn ein System im kleinsten Kreis nicht funktioniert, dann ist es nicht auf ein Land übertragbar.

Natürlich bin ich weiterhin für eine solidarische Gesellschaft, doch was soll ich wählen, um dieses Ziel zu erreichen? Ich vermute, dass es wieder auf eine große Koalititon hinausläuft. Rot-Rot-Grün wird aus auf Bundesebene vorerst nicht geben, weil die Befürworter eines solchen Bündnisses innerhalb der betroffenen Parteien in der Minderheit sind. Für CDU/FDP wird es voraussichtlich auch nicht reichen. Was bleibt? Vielleicht ist auch eine Koaliton aus CDU/Grüne/FDP denkbar, sollte die FDP in den Bundestag zurückkehren. Das Bündnis, welches meine Ziele zumindest im Ansatz erfüllen könnte, ist also relativ unwahrscheinlich. In dieser Gemegelage wird die SPD keinen Kanzler stellen können.

Ich bin im Laufe meines Lebens auch deutlich konservativer geworden. Meine politische Welt war früher klar in "Schwarz-Weiss" definiert, aber ich musste feststellen, dass die "Grautöne" im Leben überwiegen. Mein Weltbild geriet weiter ins Wanken als ich merkte, dass Menschen, die für Toleranz eintreten, selbst intollerant werden können, wenn der politische Gegner das Wort ergreift. Natürlich ist eine gesunde Streitkultur in einer Demokratie wichtig, aber wenn politische Gegener angegriffen werden, fehlt mir jedes Verständnis. In einigen Situationen erwischte ich mich dabei, dass ich Symphatie für den ehemaligen politischen "Gegner" empfand, weil mir die Rechthaberei und Engstirnigkeit meiner damaligen politischen Freunde auf die Nerven ging.

Knackpunkt WM 2006

Ich bin ein großer Fussball-Fan und jubelte der (multinationalen) deutschen Mannschaft zu. Mir imponierte das weltoffene Klima in Deutschland, welches während der WM herrschte. Nach den Siegen nahm ich an den Autokorsos teil und empfand den gesunden Patriotismus in diesem Land als richtig.

Während eines Autokorsos, ich stand am Straßenrand als Zuschauer, wurde ich bespuckt und als Faschist bezeichnet. Ich ein Faschist, weil ich es wagte, mich öffentlich am Sieg des DFB-Teams zu erfreuen? Pascale, der in einer Partei Mitglied war, die für Multinationalität eintritt, wurde beleidigt und das von scheinbar "eigenen" Leuten! Es gab nämlich Personen, auch wenn es wenige waren, die mit dem aufkommenden Patriotismus während der WM ihre Probleme hatten.

Diese "Tat" war mit ein Auslöser für meine politische Identitätskrise. 

Ich werde niemals ein unpolitischer Mensch werden, weil ich die Prozesse in der Politik / Wirtschaft / Gesellschaft zu interessant finde. 

Das Leben hat mich verändert und somit auch Teile meiner politischen Grundhaltung. Irgendwie scheint es mir, als sei die Welt seit circa 10 Jahren völlig aus den Fugen geraten.

Ob ich zur Bundestagswahl gehe oder nicht und welche Partei ich wähle, werde ich wohl in letzter Minute entscheiden.

17.6.17 21:08
 
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