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Eintrag 658

Wenn Dinge ins Rutschen geraten

Teil 12 (Neustart in ein verändertes Leben, aber wie?)

Es sagt sich so leicht:"Neustart in Berlin." Doch wie beginnt man ein neues Leben?

Zunächst gilt es einen Fahrplan für die nächsten Wochen zu erstellen:

1. Diese Woche steht im Zeichen des Auspackens und des Zurechtfindens im Haus. Das schönste Ereignis in dieser Woche ist Leonards Geburtstag!

2. Parallel dazu gibt es im Haus noch viele handwerkliche Dinge zu erledigen, die nach und nach anfallen.

3. In den nächsten Tagen beginne ich damit formale Angelegenheiten zu erledigen.

4. Die nächste große Bewerbungsphase beginne ich Mitte des Monats, wenn die formalen Angelegenheiten soweit in die Wege geleitet wurden.

5. Ich leide sehr darunter, Leonard nicht mehr ganz so oft zu sehen. Vor der Trennung war ich "Vollzeitpapa" d.h. ich konnte Leo so oft sehen, wie ich wollte. Nun sehen wir uns, bedingt durch die Trennung, weniger häufiger als früher. Viele Abläufe werden sich in den nächsten Monaten noch einpendeln müssen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass das gut gelignt.

6. Nun habe ich völlig andere Tagesabläufe und ein anderes soziales Umfeld, als vor der Trennung. Auch diesbezüglich müssen sich neue Strukturen bilden und Abläufe aufeinander abgestimmt werden.

7. Freundeskreis. Ich versuche nach und nach einige alte Freunde und Bekannte zu treffen, um auszuloten, ob es noch Gemeinsamkeiten gibt. Schließlich sind wir nicht mehr dieselben Menschen wie vor 16 Jahren.

8. Die Stadt. Diese Stadt Berlin ist meine Liebe und mein Schmerz. Wenn ich durch die Straßen von Neukölln fahre, habe ich das Gefühl, als sei ich aus einem langen Traum erwacht. Alles ist so vertraut aber doch so neu. Ein unbeschreiblich komisches Gefühl.

1.10.14 14:04


Eintrag 659

51. M.´s Zeit als Produktionshelfer.

Nachfolgend werden keine Namen genannt (Personen, Firmen, Produkte, Branche). Diese Geschichte mit ihren Handlungen ist frei erfunden. Übereinstimmungen mit lebenden Personen oder existierenden Unternehmen wären rein zufällig.

Vor einem Jahr stellte sich M. persönlich bei einer Zeitarbeitsfirma vor. Anfangs war er skeptisch, weil man viel negative Dinge über Zeitarbeit hört und liest.

Wenige Tage, nachdem er seinen Arbeitsvertrag unterschrieb, bekam M. einen Anruf, dass er am nächsten Tag einen Arbeitseinsatz habe. Er freute sich sehr und war gespannt auf die neue Herausforderung in der Arbeitswelt. Eine neue Aufgabe musste her, nachdem er zu Beginn seines Studiums gescheitert war und es ständig Absagen auf seine Bewerbungen als Maler hagelte.

1. Arbeitseinsatz:

Der Fahrdienst holte ihn pünktlich vor der Haustüre ab und es ging los. M. wurde zusammen mit mehreren Kollegen in eine weit entfernte Produktionsstätte gefahren. Die anderen Kollegen seiner Zeitarbeitsfirma waren schon länger dort tätig.

Als sie die große Halle betraten, suchte M. zuerst den Schichtführer auf. Er schaute mit ihm auf den Schichtplan, auf dem er aber nicht stand. Das erging auch dem anderen Kollegen von einer anderen Zeitarbeitsfirma so. Nach kurzer Zeit wurden sie gemeinsam an einen Arbeitsplatz gestellt, der aus 4 Maschinen bestand. 

Beide wurden von einem Mitarbeiter aus der Stammbelegschaft für zwei bis drei Stunden eingearbeitet. Das "Problem" an diesem Arbeitsplatz waren die aus M.´s Sicht sehr schnell eingestellten Maschinen. Außerdem musste man sich die fachspezifischen Arbeitsmaterialien, die er nicht kannte, selbst organisieren und holen.

Angefangen von den Paletten, die er sich mit einem Hubwagen selbst von dem verschneiten und vereisten Hof (es war tiefester Winter) holen musste. Die Produkte "fraßen" viele Platten d.h. er war gezwungen, sich mehrmals pro Schicht Paletten zu holen. Manchmal gab es keine Paletten mehr oder das Tor zum Hof war verstellt. Die schnellen Maschinen liefen jedoch weiter. Im schlimmsten Fall fiel alles vom Band, doch den Schichtführern interessierten seine Probleme wenig, zumal sie "wichtigere" Probleme hatten. M. und sein Kollege waren aber für diesen Arbeitsplatz verantwortlich, also wurde das Fehlen von Arbeitsmaterialien zu IHREM Problem. Wenn sie Kollegen aus der Stammbelegschaft nach Hilfe fragten, hörte sie sich meistens doofe Sprüche an. Es gab leider nicht viele Kollegen, die hilfsbereit waren.

Dazu kam, dass man die schweren Produkte sehr hoch auf die Paletten stapelen sollte und man diese auf den letzten zwei Ebenen hochwerfen musste (ca. 2 Meter). Anschließend fuhr er die Paletten auf eine Wickelmaschine, WENN ihm der Hubwagen nicht weggenommen wurde. Anfangs wussten sie auch nichts von einem "Maschinenplan". Der hing in irgendeiner Ecke und keiner erzählte ihnen anfangs etwas davon. In diesem wichtigen Plan stand genau beschrieben: Anzahl der Paletten einer Produktvariante und die Verpackungsart.

Auf jede dieser Produktvarianten bei 4 Maschinen wurde ein wechselfarbiges Klebeband draufgeklebt. Pech nur, wenn man das anfangs nicht weiß. Pech nur, wenn keine Klebebänder mehr auffindbar sind. Pech nur, wenn man von diesem Maschinenbelegungsplan nichts weiß und mitten in der Schicht die Produktvariante geändert wird ohne Kenntnis. Parallel musste man in knappen Zeitabständen eines der Produkte auf einer Waage wiegen, um die Qualität zu kontrollieren.

Und wenn das nicht genug wäre, standen ihnen die Lagerarbeiter mit ihrer Nörgelei im Weg. Eigentlich sollte M. und sein Kollege jedes der 4 verschiedenen Produkte im Lager in eine seperate Reihe fahren, damit ein System im Lager und somit bei der Verladung erkennbar war. Das ist auch nachvollziehbar. Leider gab es kaum noch Platz für die vielen Paletten und somit war M. gezwungen, wenn ihm die Produkte nicht vom Band fallen sollten, die Paletten schnell irgendwo hinzustellen. Das Ende vom Lied: Einige Lagerarbeiter kamen mit einem rechtlich grenzwertigen Ton auf M. zu und forderten ihn auf sich eine neue Reihe zu suchen, obwohl sie genau wussten, dass es keinen Platz mehr gab. Im schlimmsten Fall musste er die Paletten bis ans Ende der großen Halle fahren und diese Halle war groß!

Und all das vor dem Hintergrund sehr schnell getakteter Maschinen! 

Sein Kollege und er schafften in den ersten zwei Wochen mit Mühe und Not diesen einen Arbeitsplatz, der eigentlich nur für eine Person gedacht war! Viele Arbeitsabläufe pendelten sich ein, ihr Arbeitstempo steigerte sich. Wenn alles gut lief und die Arbeitsmaterialien vorhanden waren, schafften sie nach 2 Wochen diesen Arbeitsplatz, doch leider gab es viele Pannen im Produktionsprozess, der sie immer wieder aus dem Takt brachte.

Nach ungefähr 3 Wochen wurden sie getrennt. Jeder von ihnen stand an anderen Maschinen und Arbeitsplätzen, die ebenfalls ein extrem hohes Arbeitstempo mit sich brachten. Es gab Tage, an denen M. zwischen 2 Maschinen hin und her rennen musste, wenn er mit dem Tempo Schritt halten wollte.

Nach circa 2 Monaten bat er seine Zeitarbeitsfirma, ihm einen anderen Arbeitseinsatz zu geben. Seinem Wunsch wurde anstandslos nachgekommen.

2. Arbeitseinsatz:

In diesem Betrieb saß M. fast ausschießlich an einer Metallpresse und musste tausend oder mehr Produkte pro Schicht bearbeiten. Die Arbeit war sehr monoton und es kam auch hier wieder auf die Arbeitsgeschwindigkeit an. Der Unterschied zum 1. Arbeitseinsatz war, dass ER das Arbeitstempo selbst bestimmen konnte und er sich nicht von Maschinen durch die Gegend hetzen lassen musste. Neben ihm waren noch mehrere Kollegen von seiner Zeitarbeitsfirma beschäftigt. Leider ging nach einer Woche ein wichtiges Betriebsmittel zu Bruch, sodass die meisten Arbeiter der Nicht-Stammbelegschaft keinen Arbeitseinsatz mehr hatten. Nach rund einer Woche endete seine Arbeit in diesem Betrieb.

3. Arbeitseinsatz:

Die Zeitarbeitsfirma sagte M. am Telefon, dass sein Arbeitseinsatz für längere Zeit geplant war. Die Stammbelegschaft sagte ihm am ersten Tag:"Wie wir hörten, bist Du nur eine Woche da". M. sollte nur eine Produktionsspitze abdecken. Seine Zeitarbeitsfirma wollte ihn vermutlich motivieren, hohen Arbeitseinsatz zu zeigen. Vielleicht geben sich viele Zeitarbeiter keine Mühe, wenn sie wissen, dass sie nur für eine Woche irgendwo arbeiten. Bei ihm ist sein Arbeitsengagement unabhängig von der Arbeitseinsatzdauer. Wenn er "gebucht" war, gab er sein bestes, ob ein Tag oder 3 Jahre!

Auch in diesem Betrieb wird, wie überall, nach einem Tag erwartet, dass man das Wissen und das Arbeitstempo vorweisen kann, wie eines Mitarbeiters aus der Stammbelegschaft, der die Arbeitsvorgänge schon viele Jahre duchführt.

Wie oft dachte sich M.:"Würde man einen von diesen Meckerern aus der Stammbelegschaft morgen früh um 5 Uhr in eine Bäckerei stellen und erwarten, dass er um 9 Uhr allein und zwei super tolle Torten hinbekommt, kämen da nur Senfbratwürstchen als Ergebnis heraus!!!":-) 

Die meisten Zeitarbeiter, wie er, sind branchenfremd und "nur" schnell angelernt. Ein bisschen mehr Verständnis hätte er sich besonders in diesem Betrieb schon erhofft.

So stand er am ersten Tag in der Verpackungsabeilung mit einer langjährigen Mitarbeiterin zusammen an einem Tisch und sie verpackten Güter. Die ganze Halle bestand aus großen und langen Regaleinheiten, in denen unzählige Kisten und Verpackungen aller Art und Größe gestapelt waren. Als seine vorgegebenen Kisten verbraucht waren und er neue brauchte, sagte sie ihm: "Du hast doch Augen im Kopp, musste gugge!". Eigentlich war sie ganz nett, nur ihre schroffe Art fand er für den ersten Arbeitstag mehr als unpassend.

In der Pause holte er sich einen Kaffee an einem Automaten, denn er wusste erst am zweiten Arbeitstag von einer Kantine. Irgendwie wusste M. auch gar nicht, was er hätte mit den neuen Kollegen reden sollen. Das ist wie als Sitzenbleiber in der Schule, wenn man in eine neue, aber schon feste Klasseneinheit kommt, dachte er sich.

Die Mitarbeiterin gab ihm um 11.00 eine Aufgabe, die "noch ganz schnell" erledigt werden müsse, bevor Schichtende ist. Dort standen große Berge von Gütern, die bearbeitet werden mussten. Es war absehbar, dass M. das nicht in 3 Stunden schaffen würde. Somit blieb die Arbeit bis zum nächsten Tag liegen. Am nächsten Tag bekam er eine einfache Verpackungsaufgabe und sie, die langjährige erfahrene Arbeitskraft, brauchte noch bis zum nächsten Tag, um diesen Berg abzuarbeiten! Das zum Thema "noch ganz schnell".

Am dritten Arbeitstag kam er in eine andere Abteilung, die aus 3 Frauen bestand. M. war somit der einzige Mann und er konzentrierte sich auf seine ihm zugeteilte Arbeit. Der Ton unter diesen Kolleginnen war flappsig, aber herzlich, das jedoch nur am ersten Tag in dieser Abteilung.

Am zweiten Tag in dieser Abteilung (Sein 4. Tag in diesem Betrieb) saß M. an einer Maschine, die große Konzentration erforderte. Seine große Konzentration auf die Arbeit und die damit verbundene Nichtgesprächigkeit wurde verwechselt mit "der will nicht mit uns reden". "Na, die Arbeit macht müde wa?", wurde ihm mehrmals entgegen geschleudert. Er sagte dann:"Nee, ich konzentriere mich nur". Und auch hier kam sofort von der Gruppenleiterin die unterschwellige Kritik, M. sei zu langsam.

In einer Pause sagte ihm eine der drei Frauen, dass er sich keine Sorgen machen soll. Jeder braucht Einarbeitungszeit, das Tempo käme mit der Zeit. Leider hat er diese Rückendeckung vermisst, als die Gruppenleiterin mit am Tisch saß und erneut mit Sprüchen auf ihn eindreschte. Als sich herumsprach, er sei eh nur noch ein Tag da, wurde ihm unterstellt, er hätte keine Lust mehr:"Haste ja morgen geschafft, dann isses vorbei", schallte es ihm von der Gruppenleiterin entgegen.

Der Betriebsleiter und die Gruppenleiterin unterhielten sich etwas Abseits und leise über seine Arbeitsstelle. Wie er das aus der Ferne gehört hat, bemängelte sie seine Langsamkeit. Der Betriebsleiter sagte aber, dass das fehlende Tempo am Anfang nicht schlimm sei, Hauptsache, es werden keine Arbeitsmaterialien beschädigt. Aus Sicht der Gruppenleiterin machte M. eh alles nicht nach ihren Wünschen.

Am letzten Tag kam der Betriebsleiter zu ihm und bedankte sich für seine Arbeit. Gern hätte er M. länger in seinem Betrieb gehabt, doch leider gäbe es einen Materialengpass. Diese Worte hörte er gern!!! Es war ein dickes Lob für M. Er könne gern wiederkommen, wenn er mal wieder eine Arbeit bräuchte und seine Zeitarbeitsfirma ihn dafür einsetzen würde. Von dem Materialengpass hörte M. schon am zweiten Arbeitstag. Somit war nach einer Woche wieder Feierabend.

4. (und letzter) Arbeitseinsatz

In diesem Unternehmen war M. die längste Zeit seiner "Zeitarbeiterkarriere" beschäftigt, mehrere Monate am Stück. Die Anfahrtszeit betrug circa eine Stunde pro Fahrt (rund 60 Kilometer).

Während der ersten Wochen stand M. an Maschinen, deren Arbeitstempo ER vorgeben konnte. Es war ratsam sich bezügl. der Stückzahlen immer an dem "Produktionsheft" zu orientieren, das an der Maschine auslag und in dem die Werte der vorherigen Arbeiter notiert waren. 

Sämtliche Arbeitsprozesse und -abläufe waren völlig anders strukturiert, als in den Betrieben davor. Sein Arbeitswissen bezüglich der Produkte lag wieder bei Null!

Exkurs: M.´s Meinung über das Mitarbeiterverhalten der Stammbelegschaft in all seinen vier Arbeitseinsätzen.

Einige Mitarbeiter aus der Stammbelegschaft waren freundlich und hilfsbereit, einige ignorierten ihn oder es gab rechtlich grenzwertige Sprüche. M. hatte das Gefühl, dass ein paar Mitarbeiter verhaltensmäßig in der Schulzeit stehen geblieben waren. Ihn erinnerten die Gesten und Sprüche an ungehobelte "Schulhofmanieren". "Ey Alder", "Ey wenn Du nicht das machst dann.....". Leider landen einige derjenigen, die in der Schulzeit nicht viel gerissen haben, in den Produktionshallen. Auch M. hatte aus seiner Sicht in irgendeiner Form versagt, sonst hätte er sich nicht für diese monotone und körperlich schwere Arbeit entscheiden müssen. Damit wollte er aber nicht sagen, dass in den Produktionshallen nur Schul- oder Universager arbeiten! Der Schulabschluss sagt nichts über einen Menschen und seinen Arbeitseinsatz aus, so M. Die meisten aus der Stammbelegschaft waren viel besser und schneller als er und daher sehr gut in ihrer Arbeit. Vor diesen Kollegen hatte er großen Respekt! Leider wird von diversen Mitarbeiten vom ersten Tag komplettes Arbeitswissen und schnelles Arbeitstempo vorausgesetzt, was jedoch kaum möglich ist (wie schon geschildert).

M. geht es nur um das ablehende und negative Verhalten einiger Mitarbeiter aus der Stammbelegschaft gegenüber "Neulingen", welches ihm in der Produktionshelferzeit besonders stark aufgefallen ist. Mehr wollte er damit nicht sagen und seine Aussagen hält er nicht für allgemeingültig! Vielleicht sei er auch zu zimperlich und sensibel im Charakter für diese Arbeit.

Exkurs Ende!

Während seiner Beschäftigungszeit wurde die Halle ständig umgebaut, Regale wurden entfernt, neue Maschinen kamen hinzu. Grundsätzlich waren die Kollegen seiner Zeitarbeitsfirma und er für ein und dasselbe Produkt zuständig, entweder an der laufenden Maschine oder an der Nachbearbeitung des Produktes. Doch nach und nach landete einer von zweien pro Schicht an einer anderen Maschine oder in der berüchtigten "Laufkontrolle". Man musste dann mit dem Hubwagen ganz schnell die Produkteinheiten aus der Halle ins Lager fahren und neue Container vorbereiten und mitbringen. Es kam vor, dass man für 5 oder 6 Maschinen eingeteilt war. Das bedeutete Rennerei sobald irgendein Problem auftrat, weil die Arbeiter am Band diese Container brauchten, damit die Ware nicht auf den Boden fiel. 

Es kam der Tag, an dem M. mit einem Kollegen aus der Stammbelegschaft an einer Maschine stand, an der ein Produkt sehr schnell bearbeitet und verpackt werden musste. Die Bearbeitung war für einen Neuling der aufwändigste Prozess. Kam man nur einmal eine halbe Minute, aus welchem Grund auch immer, aus dem Rhythmus, war es vorbei. Das Produkt musste auf die Seite gelegt werden, damit die nachfolgenden bearbeitet werden konnten. Meistens half ein anderer Mitarbeiter kurz aus, damit das Tempo wieder hergestellt war.

Oft dachte sich M.:"Würden diejenigen Personen, die für die schnellen Maschinen verantwortlich sind, nur einmal 8 Stunden am Band stehen, würden sie völlig anders denken." In den letzten Wochen ging er mit Nervosität und auch Angst zur Arbeit. Vor Arbeitsbeginn fragte er sich:"An welcher Maschine stehe ich? Mit welchem Kollegen?" Der Blick auf den Maschinenbelegungsplan vor Schichtbeginn löste oder bestätigte die Anspannung.

Einer der Chefs der Firma patroulliete mehrmals täglich durch die Produktionshalle. Er schlich langsam und mit skeptischem Blick durch die Gänge. Wehe eine Kiste stand schief, dann gab es teilweise großen Ärger. Eine Produktionshalle sollte naturgemäß sauber und geordnet sein, wie diese. Aufgrund effektiver Arbeitsabläufe hat so mancher Arbeiter jedoch eine eigenständige Stellweise der Kisten/Regale vorgenommen, die aber diesem Chef nicht passten. Obwohl nichts im Weg herumstand, mussten die Kisten so stehen, wie er es wollte, egal ob es arbeitstechnisch betrachtet sinnvoll war oder nicht.

Jedes Mal, wenn M. mit ihm Blickkontakt hatte, grüßte er höflich. Das eine Mal war M. in Gedanken versunken, weil er extrem auf seine Arbeit konzentriert war und somit sah er den Chef sehr spät. Der Chef stand hinter ihm und war offenbar nicht begeistert darüber, dass ER ZUERST grüßen musste. Fünf Minuten später ging der Meistro zu M.´s Maschine und stellte diese schneller ein, obwohl diese aufgrund arbeitstechnischer Vorgänge zuvor von einem Maschineneinrichter oder Schichtführer gedrosselt wurde. Das Kuriose war, das sich der Chef von der anderen Seite zu seiner Maschine "anschlich". M. sah ihn, als er einen Meter vorging, weil er eine Kiste einpacken musste. Das M. ihn bei der Maschinenumstellung "erwischt" hat, schien seinem Chef unangenhem gewesen zu sein.

M.´s Zeitarbeiterkarriere endete mit der Nichtverlängerung seines Arbeitsvertrages.

M.´s Fazit: 

Zeit- oder Leiharbeit ist an sich nicht schlecht. Der Vorteil ist, dass man relativ schnell eine Arbeit erhält. Zeitarbeiter zeichnet eine hohe Mobilitätsbereitschaft aus, in dem sie ggf. die Arbeitsstätten wechseln müssen. Außerdem enthält die Zeitarbeit einen extrem hohen Flexibilisierungsgrad, weil die Arbeitnehmer sich an ständig neue Bedingungen in relativ kurzer Zeit gewöhnen müssen.

Von sämtlichen Fahrern des Fahrdienstes wurde M. ausdrücklich gelobt:"M., ich möchte mich ausdrücklich für ihre Pünktlichkeit bedanken! Sie wissen ja gar nicht, wie oft ich morgens um 04.00 auf einige Arbeiter warte und sie nicht an der Abfahrtsstelle stehen...." Pünktlichkeit und Ordentlichkeit in der Arbeit sind für ihn selbstverständlich, dennoch ist es ein nettes Lob, das er gern hörte.

Zum Arbeitstempo: M. kann halt nur so schnell arbeiten, wie er kann! Und M. kann schnell arbeiten, WENN er etwas Einarbeitungszeit erhält, damit die Arbeitsabläufe in Fleisch und Blut übergehen. Stand er öfter an ein und derselben Maschine, erhöhte sich seine Stückzahl, bis zu einem gewissen Grad, rasant.

Als Produkionshelfer möchte M. nur dann wieder arbeiten, wenn er als Maler nach diversen Bewerbungsversuchen keine Anstellung findet.

Geschrieben August-Oktober in Siegen/Berlin

2.10.14 09:32


Eintrag 660

Die erste Berlin-Woche ist vorüber. Den Großteil meiner Sachen habe ich ausgepackt, die restlichen kommen in den Keller.

Wie berichtet, fühle ich mich, als sei ich aus einem langjährigen Traum auferwacht. Einige Male bin ich mit dem Fahrrad durch die Wohngegend gefahren. Ich kann mich nicht erinnern ein einziges Mal in Siegen mit dem Fahrrad unterwegs gewesen zu sein. Siegen hat viele Hügel und ist daher nicht besonders "fahrradfreundlich".

Hinter jeder Ecke und Straße liegen tiefe Kindheits- und Jugenderinnerungen begraben, wenn ich durch diese Wohngegend fahre. Da ich seit kurzer Zeit meine nostalgische Ader entdeckt habe, schmerzen mich diese Erinnerungen. Warum? Weil ich mich immer daran erinnere, welche Wünsche und Träume ich als junger Mensch hatte. Was ist aus ihnen geworden???

Sämtliche Tagesabläufe gestalten sich völlig anders, als in der gemeinsamen Zeit mit Frau/Leonard. Bis auf wenige Ausnahmen, stehe ich weiterhin relativ früh auf und beginne meinen Tag.

Der Tagesinhalt ist für mich gänzlich anders. In Siegen drehten sich naturgemäß viele Abläufe um Leonard. Während der nächsten Tage muss ich Behördengänge tätigen und Anträge ausfüllen, bevor die neue große Bewerbungsphase beginnt. Nebenbei recherchiere ich nach geeigneten Jobangeboten im Bürowesen.

In der abgelaufenen Woche war ich zwei Mal in D. Das eine Mal, um Leonard zu bringen und gestern, um Leonards 3. Geburtstag zu feiern! Mittags fuhr ich mit einem Fernreisebus los und war gegen 15.00 da. Mit Leonard feierten Mami, Papi, Omi und Opi. Es gab viele Geschenke und Kuchen. Es war ein sehr schöner Geburtstag.

4.10.14 10:37


Eintrag 661

Den heutigen Tag verbringe ich mit Jobrecherche im Internet und erledige diverse Handgriffe im Haushalt.

Leonards KITA-Einführung verläuft sehr positiv, wie ich höre. Er scheint sich schnell an die KITA und die Erzieherinnen zu gewöhnen, was mich sehr erfreut.

Gestern Abend hat er mir am Telefon "O Tannenbaum" vorgesungen. Es ist schön zu hören, dass es Leonard gut geht. Ich freue mich abends ganz doll seine Stimme zu hören und ihn bald wiederzusehen.

-Ende Eintrag-

"M-Eine Stadt sucht einen Mörder (von Fritz Lang)"

Gestern Abend habe ich mir diesen alten Film aus dem Jahre 1931 angeschaut. Er zählt mit zu den besten deutschen Filmen überhaupt. 

Dieser Film spielt in Berlin und zeigt die kollektive Jagd von Polizei und Unterwelt auf einen Triebtäter.

Wer mehr über diesen Film wissen möchte, kann an geeigneten Stellen im Internet nachlesen. Dieser Film hat mich durch die schauspielerischen Leistungen der Figuren sehr bewegt.

Den nächten historischen Film, den ich mir irgendwann mal anschaue, ist "Berlin-Alexanderplatz", ebeanfalls aus dem Jahre 1931 mit Henrich George in einer Hauptrolle (Vater von Götz George).

6.10.14 11:01


Eintrag 662

Wenn Dinge ins Rutschen geraten

Teil 13 (Nachwort)

Mit diesem Eintrag endet das Unterkapitel meines Blogs "Wenn Dinge ins Rutschen geraten". Sämtliche dieser Einträge könnt ihr im Zusammenhang in der Kategorie "Notizen" oder "Lebenswendepunkte" nachlesen.

In meinem Leben dachte ich oft, alles sei in Ordnung und kurze Zeit später ist etwas, scheinbar plötzlich, völlig aus den Fugen geraten.

Durch negative Erfahrungen, die bereits in meiner frühen Kindheit begonnen haben, lernte ich im Leben nicht mehr 1000%ig zu vertrauen. Leider bleibt im Leben dauerhaft nichts so, wie es gegenwärtig ist.

Alles ist einem ständigen Wandel unterzogen:

Das Wort, die Schrift, die Kommunikationsformen, der Informationsfluss, die Berufswelt, die große und kleine Politik oder die Religionen. Diese Veränderungen wirken dynamisch und in einer wechselseitigen Beziehung auf jeden Menschen mit seinen Freundschaften und Liebesbezienungen ein. Die Auswirkungen sind individuell unterschiedlich.

Alles ist miteinander vernetzt und somit kann jeder jeden beeinflussen, ob direkt oder indirekt.

Ich bin wahrlich kein einfacher Mensch. Manchmal bin ich sperrig, umständlich und nicht immer guter Laune. Grundsätzlich bin ich ein normaler Mensch, nämlich nicht perfekt.

Mit Niederlagen kann ich nur dann umgehen, wenn ich mir vorstelle, dass das Leben aus ständigen Lebenswendepunkten besteht.

Mathematisch betrachtet halte ich (!) das Leben für eine "Kurvendiskussion" mit ihren Symmetrieeigenschaften sowie Extrem- und Wendepunkten. Die genetische Veranlagung und die Gesundheit ist der Definitionsbereich und das soziale Umfeld (Familie, Beruf, Freunde, der Staat usw.) bilden die Achsenabschnitte. All das kombiniert mit dem eigenen Willen, dem Einfluss des sozialen Umfeldes, den oben beschriebenen Veränderungen und der Summe von Lebenserfahrungen, ergibt den Lebens- (Kurven)verlauf eines Menschen.

Mit dieser Sichtweise kann ein schöner oder schlechter Moment nicht ewig andauern. Die Tragik ist, dass ich charakterlich so veranlagt bin, allgemeine Veränderungen erst nach eingehender Überprüfung einer Notwendigkeit zuzulassen. Viele Änderungen in meiner Vergangenheit waren nicht positiv, daher beäuge ich grundsätzlich alles unter einer misstrauischen Brille. Ich halte gern an vertrauten Ritualen fest, weil mir diese Sicherheit und Rückhalt geben.

Da ich nicht fehlerfrei bin, habe ich viele negative Wendepunkte in meinem Leben mit zu verantworten. 

-Ende-

Anbei mein neuestes Gedicht. Vor dem Lesen bitte unbedingt die Kategorie "Grundsätzliches zu meinen Gedichten" lesen, um z.B. die Entstehung und den Inhalt meiner Gedichte nachvollziehen zu können.

 

...,denn mein Sommer endet hier.

 

Von

regenbogenverschmierter Kindheit

zum Lebensrand.

Die Herbstsonne Berlins

verursacht Atemnot.

Der Schneemann

im Garten

trinkt Rotwein

und zählt die Blumen,

die aus einer Tränenrinde

emporwachsen.

Das Gestern

ertrank im Alltagssee.

 

Ich liege nackt

im Scherbenmeer

vor einer Gletscherspalte.

Meine Kindheitsträume

produzieren Angstzustände.

Der Stein im Herzen

trägt mich unbeschwert

durch das Leben.

Verloren im Transit,

mit einer Kerze

in der Hand.

 

Der tiefe Winter naht.

Mein Fluss

hat eine Haut bekommen,

auf der die Sehnsucht

Schlittschuh fährt.

Trauermaschine 

zerschmettert die Eisdecke,

denn mein Sommer endet hier.

 

Pascale A.

Berlin, den 5. Oktober 2014

 

7.10.14 10:51


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